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Von der Datenbankrecherche zur Primärliteratur

Ein Leitfaden mit Links zu wichtigen Sammlungen, Nachweisen, Bestell- und Lieferdiensten in praktischer Reihenfolge für InfoSCHUL-Projektteilnehmer

Wie sich zuletzt auf den InfoSCHUL-Erfahrungsaustauschtreffen im Februar zeigte, empfinden viele Projektteilnehmer die Beschaffung von Volltexten im Anschluß an Recherchen in bibliographischen Datenbanken als Problem. Wir haben nach Lösungen gesucht und eine virtuelle Reise durch das deutsche Bibliotheks- und Dokumentationswesen unternommen. Das Ergebnis ist der vorliegende Leitfaden, der eine Orientierungshilfe bieten soll. Sicherlich wird je nach Gegebenheiten fachlicher oder regionaler Art mal der eine, mal der andere Weg am günstigsten zu der gewünschten Primärliteratur führen.

Die im folgenden aufgeführten Einrichtungen und Dienste unterscheiden sich u.a. im Hinblick auf den Umfang der zugänglichen Bestände an Zeitschriften, Büchern, usw. (u.a. zeitliche, geographische, fachliche Abdeckung der Bestände), die Art der Bereitstellung von Primärliteratur (Ausleihe von Originalen, Kopierservice oder elektronische Lieferung der georderten Quellen), die Kosten für die Beschaffung von Originalliteratur (bisher im wesentlichen unentgeltlich, zunehmend kostenpflichtig) und die Zugangsbedingungen (Nutzerausweis, Password für den jeweiligen Dienst, usw.).

Öffentliche Bibliotheken, Spezialbibliotheken und Fachinformationseinrichtungen

Der herkömmliche und hinlänglich bekannte Weg zur Beschaffung von Originalliteratur führt über die örtlichen öffentlichen Bibliotheken. Dort kann im allgemeinen jedoch nur ein begrenzter Fundus an Literatur bereitgestellt werden, so daß häufig auf den überregionalen Leihverkehr von Fachbibliotheken und Bibliotheksverbünden zurückgegriffen werden muß (dazu unten nähere Informationen).

Weniger gängig ist der Weg über Spezialbibliotheken, die in Großfirmen, Forschungseinrichtungen, Behörden, Museen und Archiven oder Verbandsorganisationen (z.B. Industrie- und Handelskammern) angesiedelt sein können. Nähere Informationen zu einschlägigen Institutionen finden sich auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Spezialbibliotheken.

Eine tragende Rolle in der (professionellen) Informationslandschaft spielen Fachinformationseinrichtungen wie z.B. das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), das DIN-Institut, das Fachinformationszentrum Chemie, das Fachinformationszentrum Karlsruhe, das Fachinformationszentrum Technik oder das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB) (weitere Einrichtungen in einer Übersicht auf der BMBF-WebSite). Diese Institutionen verfügen in aller Regel über hauseigene Bibliotheken zu speziellen Informationsbereichen. Zu dieser Kategorie gehören im weiteren Sinne auch Einrichtungen, die Patentliteratur zur Verfügung stellen. Neben dem Deutschen Patentamt (DPA) in München und der Zweigstelle in Berlin sind dies die flächendeckend verteilten und in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen regionalen Patentinformationszentren (Übersicht auf der DPA-Homepage).

Hochschul- und Zentralbibliotheken

Hochschulbibliotheken der Universitäten und Fachhochschulen sind häufig direkt zugänglich und bieten zudem Online-Kataloge (OPACs) zu ihren Zentralen, z.T. auch zu den Fachbereichs- bzw. Institutsbibliotheken an. Eine Übersicht über die derzeitigen WWW-gestützten OPACs befindet sich auf der Homepage des Hochschulbibliothekszentrums Nordrhein-Westfalen (HBZ, s.u.).

Weitere wichtige Quellen auf Bundesebene sind die zentralen Bibliothekseinrichtungen. Die Deutsche Bibliothek (DDB) in Frankfurt a.M., Leipzig und Berlin archiviert als "Nationalbibliothek" u.a. sämtliche in Deutschland publizierten Bücher einschließlich Dissertationen o.ä. (einen guten Einblick in den Bestand der Deutschen Bibliothek liefert die Datenbank BIBLIODATA, die online und auf CD-ROM angeboten wird). Von großer Bedeutung ist auch die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK), eine der größten wissenschaftlichen Universalbibliotheken in Europa.

Nationale Fachbibliotheken gibt es zu vier Fachgebieten, nämlich die Deutsche Zentralbibliothek der Medizin (ZBMed) in Köln, die Deutsche Zentralbibliothek der Wirtschaftswissenschaften (ZBW) in Kiel, die Deutsche Zentralbibliothek für Landbauwissenschaften (ZBL) in Bonn sowie die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover. Weitgehende Abdeckung der übrigen Wissenschaften wird durch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten sogenannten Sondersammelgebiete (SSG) an insgesamt 17 Universitätsbibliotheken gewährleistet. Eine Aufstellung sämtlicher SSG ist über die Homepage von WEBIS, einem Projekt der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, zugänglich.

Bibliotheksverbünde

Einheitlichen Zugriff auf die Bestände einer Vielzahl von Bibliotheken bieten die regionalen Bibliotheksverbundsysteme. Es sind dies der Bibliotheksverbund Bayern (BVB), der Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (BVBB), der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV) der meisten nord- und ostdeutschen Bundesländer, das Hessische Bibliotheks- und Informationssystem (HEBIS), das Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen (HBZ), der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) und der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund (SWBV). Alle genannten Verbünde verfügen über im WWW recherchierbare Online-Kataloge, die wiederum im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) zusammengefaßt sind. Letzterer eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit zur Recherche in Buchhandelskatalogen, wie z.B. dem Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB).


Zentrale Kataloge und Volltextlieferdienste

Überregionale bundesweite Suchmöglichkeiten mit einem einzigen Instrument liefert das Deutsche Bibliotheksinstitut (DBI) mit der Zeitschriftendatenbank (ZDB). Hier findet man Nachweise aller in deutschen Bibliotheken vorhandenen Zeitschriften (ca. 1 Million). Über den Verbundkatalog (VK) des DBI steht ein dem KVK ähnlicher Service zur Verfügung. Der VK verzeichnet sämtliche in deutschen Bibliotheken verfügbaren Monographien (ca. 18 Millionen). Recherchierte Literatur kann im Anschluß direkt über DBI-Link bestellt werden. Die Bestellgebühr richtet sich nach den Gebührensätzen der jeweiligen Lieferbibliotheken.

Ein weiterer Volltextlieferdienst ist der seit Ende 1997 zugängliche Dienst SUBITO zur raschen Beschaffung von Primärliteratur. Günstige Konditionen (5,- DM pro Dokument bis zu 20 Seiten und 0,20 DM für jede weitere Seite) sollen es gerade Privatpersonen (wozu auch Angehörige von Schulen zählen) ermöglichen, auf komfortable Weise an Fachliteratur zu gelangen. Vergleichbare Dienste gibt es auf regionaler Ebene, z.B. JASON in Nordrhein-Westfalen oder GAUSS, den Bestellservice der Göttinger Universitätsbibliothek. Auch der oben erwähnte GBV und die Bayerische Staatsbibliothek München (BSB) haben elektronische Dokumentlieferdienste eingerichtet. Links zu weiteren (auch internationalen) Lieferdiensten findet man bei GAUSS, aber auch z.B. auf der WebSite der Fachhochschule Köln.

Ausgehend von einer Recherche in bibliographischen Datenbanken bei kommerziellen Hosts ist die Primärliteratur häufig per Online-Ordering erhältlich. Hier sollte der Kostenfaktor sorgfältig berücksichtigt werden; so kostet eine Volltextbestellung ausgehend von einer Web-Recherche bei FIZ Technik pauschal 36,- DM. STN International überläßt demgegenüber dem Nutzer die Wahl des Lieferanten, so daß dessen übliche Preise anzusetzen sind. Beispiele: Normalbestellung bei der TIB 18,- DM (9,- DM für öffentliche Institutionen), bei der ZBMed 12,- DM. DIMDI verfolgt ein ähnliches System wie STN.


Fachverlage und Buchhandel

Eine zunehmende Anzahl wissenschaftlicher Fachverlage bietet Zugriff auf elektronische Zeitschriften und Bücher - teils unentgeltlich, teils kostenpflichtig nach Registrierung. Hier sind u.a. die Verlage Elsevier, Springer, Swets & Zeitlinger und VCH-Wiley zu nennen. Eine Linkliste zu weltweit angebotenen elektronischen Zeitschriften sämtlicher Fachgebiete (derzeit über 1.670 Titel) bietet die Universitätsbibliothek Regensburg an; Links zu Electronic Journals insbesondere aus den Bereichen Informatik/Computertechnik gibt es auf der MeDoc-Homepage.

Auch über den Buch- und Zeitschriftenhandel sind Bestellungen (Kauf) möglich. Beispiele für virtuelle Buchhandlungen sind der ABC-Bücherdienst, KNO/K&V, Lehmanns Online-Bookshop oder libri. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels bietet im Rahmen von "Schulen ans Netz" Zugang zu seinem Verzeichnis lieferbarer Schulbücher (VLS) und damit die Möglichkeit zu Online-Bestellungen bei über 500 Buchhandlungen.


Think global!

Im Zeitalter der Globalisierung sollten auch renommierte ausländische Bibliotheken als potentielle Quellen nicht länger außer Acht gelassen werden. Beispiele für derartige weltweit anerkannte Institutionen sind die British Library, die Bibliothèque de France und die U.S. Library of Congress.


Tip aus der Praxis

Zum Schluß, noch ein besonderer Tip aus der wissenschaftlichen Praxis: Selbstverständlich steht Interessierten neben dem Weg über Bibliotheken auch die Möglichkeit offen, Informationen bzw. Originalartikel von den Autoren persönlich zu erhalten. Wissenschaftliche Institutionen sind nahezu vollständig im WWW vertreten, und häufig besteht die Möglichkeit, direkt per e-mail Kontakt zu den Mitarbeitern aufzunehmen. Im übrigen liefern auch bibliographische Datenbanken bei kommerziellen Hosts immer Namen und Institution der Autoren; die Adressen der Institutionen/Autoren können in der Regel über das Internet (z.B. über die gängigen Suchmaschinen) ermittelt werden.

 

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